Bessere Präsentationen durch Feedback
1. Juli 2020

Bessere Präsentationen durch Feedback

Nach der Präsentation ist vor der Präsentation – der Schlüssel zur Verbesserung liegt im Feedback

Nach einer Präsentation neigt wohl jeder Referent dazu, den Vortrag Revue passieren zu lassen und ihn für sich zu bewerten. Lief es so wie geplant? War ich souverän genug? Konnte ich die Leute überzeugen? Diese Fragen können wir uns selbst nur unzureichend beantworten, denn wie wir von anderen wahrgenommen werden, wissen wir ja eigentlich nicht – es sei denn, wir fragen sie einfach…

 


Warum eine Präsentation ausführliches Feedback braucht

Die Präsentation ist vorbei. Eigentlich ist jetzt nicht mehr wichtig, wie es gelaufen ist, denn ändern lässt sich eh nichts mehr daran. Eine Einstellung, die fatal sein kann.
Es gibt gute Gründe, warum Profi-Fußballtrainer mit den Mannschaften Spiele analysieren und warum Lehrer ihre Schüler dazu auffordern, die eigenen Fehler in Klassenarbeiten zu korrigieren. Es geht um das Lernen und Trainieren. Es geht darum, die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen und daran zu arbeiten.

Nur die wenigsten Menschen sind von Natur aus gute Redner. Allen anderen hilft ebenfalls nur Übung und die Arbeit an den eigenen Stärken und Schwächen. Um die zu erkennen und besser werden zu können, ist Feedback das beste Mittel.

 


Warum die Eigenwahrnehmung nicht reicht: das Johari Fenster

Klar, ein Stück weit können wir uns selbst einschätzen und das sollten wir auch. Den eigenen Vortrag einmal mit Kamera und Stativ zu filmen und anschließend selbst anzusehen, kann sehr aufschlussreich sein. Aber die Selbstbewertung kann uns auch in die Irre führen, da sie allein auf unserer Selbstwahrnehmung beruht. Und die kann sowohl deutlich besser als auch deutlich kritischer ausfallen als das Bild, das andere von uns haben. Deshalb brauchen wir für eine realistische Bewertung auch immer die Fremdwahrnehmung.

Aufschluss über diese Dynamik gibt das sogenannte Johari-Fenster. Das Modell veranschaulicht die Dynamiken der Selbst- und Fremdwahrnehmung und beruht auf der Idee, dass Kommunikation sich verbessern lässt, indem beide Sphären sich annähern. Dabei identifiziert das Modell auch einen blinden Fleck in unserer Selbstwahrnehmung. Er umfasst all jene Eigenschaften und Angewohnheiten (z.B. in Mimik oder Körpersprache), die für uns selbst unbewusst sind, die von anderen aber sehr wohl wahrgenommen werden. Dieser blinde Fleck kann nur durch Informationen von außen aufgedeckt werden.


Diese Kriterien sind für konstruktives Feedback relevant

Es ist sinnvoll, Feedback nicht allgemein zu geben oder zu erfragen, sondern dabei gezielt in geeigneten Kategorien zu denken. Für Vortragsfeedback sind dabei insbesondere die folgenden Bereiche relevant:

  • Inhalt und Struktur: Wurde das Thema vollständig und verständlich abgehandelt? Gab es eine sinnvolle, nachvollziehbare Strukturierung?

  • Visualisierung: War die Präsentation übersichtlich und ansprechend gestaltet? Wurden Visualisierungsmöglichkeiten sinnvoll eingesetzt?

  • Sprache: War der Referent gut zu verstehen? Wie war die Intonation? Waren Wortwahl und Ausdrucksweise angemessen?

  • Körpersprache: Wie wirkten Mimik und Gestik? Gab es Blickkontakte? Welchen Eindruck vermittelte die Körpersprache?

So kann Feedback nach der Präsentation eingeholt werden

Feedback ergibt sich in der Regel nicht von selbst. Wer nach einer Präsentation Feedback bekommen möchte, sollte es also aktiv einholen. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten:


Die Fragerunde nach der Präsentation

Am unmittelbarsten lässt sich die Fragerunde im Anschluss an die Präsentation für Feedback nutzen. Hier lassen sich sowohl direkte als auch indirekte Hinweise auf den Erfolg der Präsentation sammeln. Indirekt lässt sich einiges aus den Zuschauerreaktionen ableiten. Ein verhaltener Höflichkeitsapplaus und ein Publikum, das es scheinbar eilig hat, den Raum zu verlassen, sind kein großes Kompliment. Kommen viele Verständnisfragen und zweifelnde Blicke, dann war der Vortrag vielleicht nicht so einleuchtend und klar wie gehofft.

Wer genauere Aussagen möchte, kann das Publikum auch direkt um eine kleine Rückmeldung bitten. Handelt es sich um Personen, die man häufiger trifft (beispielsweise Kollegen), kann man auch zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal nachfragen. Unmittelbares Feedback ist allerdings nicht immer sehr ertragreich und aussagekräftig, denn viele Menschen scheuen sich offen Kritik zu äußern – selbst wenn sie noch so konstruktiv sein mag.


Bessere Präsentationen durch Feedback

Feedbackbogen mit standardisierten Fragen

Sehr nützlich kann ein Feedbackbogen sein, der alle relevanten Kriterien erfasst. Er kann nach einem Vortrag verteilt, bzw. ausgelegt oder aber per Mail an die Teilnehmer verschickt werden. Da ein Feedbackbogen anonym und in Ruhe ausgefüllt werden kann, ist er meist ergiebiger als direkt eingefordertes Feedback. Vorlagen für Bewertungsbögen finden sich problemlos im Internet. Gute und übersichtliche Formate finden sich beispielsweise hier https://www.quint-essenz.ch/de/files/Feedback_Praesentationen_15.pdf sowie https://www.jgk.geschichte.uni-muenchen.de/jued_gesch_im_schulunterricht/literatur/feedbackbogen-praesentationen.pdf

Sie sind praktisch und bieten gute Anregungen. Aber natürlich kann ein Feedbackbogen auch selbst gestaltet werden. Dabei kann auch gerne kreativer und offener formuliert werden. (z.B.: „Welche drei Dinge hätten die Präsentation Ihrer Meinung nach besser gemacht?“)


Onlineumfrage an die Teilnehmer senden

Eine dritte Möglichkeit, um Feedback zu bitten, ist die Onlineumfrage. Sie wird mit entsprechenden Tools erstellt und den Teilnehmern per Link zugänglich gemacht. Der Aufbau ähnelt dabei üblicherweise dem herkömmlichen Feedbackbogen. Hier ist erfahrungsgemäß der größte Nachteil, dass die Feedback-Möglichkeit oft nur von wenigen Teilnehmern wahrgenommen wird.

Ein Bespiel für eine Online-Feedbackseite ist z.B. Provenexpert. Über diese Plattform können Sie einfach Ihren Teilnehmern eine Umfrage zusenden mit der Bitte, Sie mit Sternchen und einem persönlichen Erfahrungsbericht zu bewerten. Natürlich gilt auch hier, je persönlicher und enger Ihr Kontakt zu Ihren Kunden ist, desto eher bekommen Sie auch eine Bewertung. Hier finden Sie mein Provenexpert-Profil mit zahlreichen Bewertungen, die ich in den letzten Jahren zu meinen Präsentationen und Seminaren gesammelt habe: https://www.provenexpert.com/tom-becker-schweitzer/.

 

 


Umgang mit Feedback bei Präsentationen

Mit Vortragsbewertungen verhält es sich in der Regel ähnlich wie mit Produktrezensionen in großen Onlineshops. Es gibt einige überschwängliche 5-Sterne-Bewertungen, an deren Echtheit man irgendwie zweifelt und einige 1-Sterne-Bewertungen, die ahnen lassen, dass der Käufer wohl einfach zu inkompetent für das Produkt war.

Dazwischen gibt es meist eine größere Menge durchwachsener Bewertungen, die Vor- und Nachteile nennen und sich dadurch in der Regel als die hilfreichsten erweisen. Eine solche Verteilung ergibt sich auch beim Feedback für Präsentationen häufig und im Prinzip kann mit ihr genauso umgegangen werden. Entscheidend sind das Gesamtbild und die relevanten Hinweise.

Für den Umgang mit Feedback sollten außerdem folgende Tipps berücksichtigt werden:

  • jedes Feedback ist willkommen: Jeder Zuhörer hat das Recht auf seine Meinung. Sie sollte, unabhängig von ihrem Inhalt oder davon wer sie äußert, dankend angenommen werden – dabei sollte es übrigens auch keine Rolle spielen, ob die Kritik vom Chef oder vom Azubi kommt.

  • kein Feedback auf Feedback: Gerade bei direktem kritischem Feedback fühlt man sich leicht versucht zu diskutieren, sich zu verteidigen oder zu rechtfertigen. Das Gesagte sollte aber besser einfach mit einem Dank als Meinung angenommen werden, unabhängig davon, ob es als gerechtfertigt empfunden wird oder nicht.

  • Feedback verpflichtet nicht: Auch der Referent hat ein Recht auf seine Meinung. Nicht alles, was bei Rückmeldungen geäußert wird, muss auch umgesetzt werden. Was man ändern oder umsetzen möchte, entscheidet man grundsätzlich selbst.

Feedback ist keine Einbahnstraße

Wer hilfreiches Feedback zu schätzen weiß, sollte auch entsprechend reagieren können, wenn er selbst um eine Bewertung gebeten wird. Damit Feedback wirklich nützlich ist und weiterhilft, sollte es folgende Kriterien erfüllen:

  • möglichst konkret sein: Wer um Feedback bittet, möchte nicht nur Lob und Tadel, sondern konkrete Anhaltspunkte. Beispiel: statt „Der Vortrag war unterhaltsam.“ lieber „Dass die einzelnen Faktoren an Beispielen erläutert wurden, machte den Vortrag unterhaltsam.“

  • Ich-Formulierungen nutzen: Wer Feedback gibt, kann immer nur für sich selbst sprechen. Deshalb sollte in der 1. Person formuliert werden und nicht etwa mit „man“.

  • Verbesserungsvorschläge: Konstruktives Feedback sollte im Idealfall positiv formuliert werden und Verbesserungsideen beinhalten. Beispiel: statt „Sie reden wie ein Wasserfall.“ lieber „Es wäre mir leichter gefallen dem Vortrag zu folgen, wenn Sie langsamer gesprochen und mehr Sprechpausen gemacht hätten.“

  • auch positive Kritik formulieren: Gern wird vergessen, dass Kritik nicht unbedingt nur negativ sein muss. Zu erfahren was bei einer Präsentation gut angekommen ist, kann für Referenten mindestens genauso wichtig sein.

  • beschreiben statt bewerten: Feedback sollte eine Beschreibung der eigenen Wahrnehmung sein. Urteile oder Vorwürfe sind dabei unangebracht. Beispiel: statt „Ihr Vortrag war schlecht, denn Sie haben nur abgelesen.“ lieber „Da Sie viel abgelesen haben, fehlte mir der Kontakt mit dem Publikum.“

Bessere Präsentationen durch Feedback

Kein Feedback ohne Respekt

Gutes Feedback hat viel mit gegenseitigem Respekt zu tun. Das sollten sowohl Feedbackgeber als auch -empfänger immer im Hinterkopf behalten. Es sollte als Hinweisgeber und Hilfsmittel verstanden werden und nicht als Mittel der Beurteilung. Wird es richtig gegeben und empfangen, kann es außerordentlich nützlich sein.

Mehr noch: konstruktives Feedback und sogar Kritik können mehr Anerkennung und Respekt bedeuten als ein falsches Lob. Dessen war sich wohl auch der Philosoph und Mathematiker Bertrand Russell bewusst, als er formulierte: „Freue dich mehr über intelligenten Widerspruch als über passive Zustimmung; denn wenn die Intelligenz so viel wert ist, wie sie dir wert sein sollte, dann liegt im Widerspruch eine tiefere Zustimmung“.

 

 

 

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